Arbon TG, 4. August 2009. – Der international tätige Bauausrüster AFG Arbonia-Forster-Holding AG, Arbon, hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2009 einen Umsatzrückgang um 16.4% (währungsbereinigt -13.1%) auf CHF 626.4 Mio. hinnehmen müssen. Das operative Ergebnis vor Sonderbelastungen (EBIT) ist mit CHF 3.5 Mio. weiterhin positiv. Nach der praktisch vollständigen Abschreibung des Goodwills der britischen Aqualux im Umfang von CHF 15.5 Mio. beläuft es sich auf CHF -12.0 Mio. (Vorjahr CHF 37.8 Mio.). Der EBITDA nahm auf CHF 35.0 Mio. ab (CHF 69.5 Mio.), während das Konzernergebnis einen Verlust für das erste Halbjahr von CHF -23.3 Mio. (CHF 19.1 Mio.) ausweist. „Die erzielten Resultate liegen unter unseren Erwartungen,“ kommentiert der Präsident und Delegierte des Verwaltungsrats, Edgar Oehler, den Halbjahresabschluss, „aber sie widerspiegeln die ausserordentlich schwierigen Marktverhältnisse, denen insbesondere unsere stark exportorientierten Technologiedivisionen unterworfen waren.“ Die bauorientierten Divisionen erwiesen sich denn auch als Stützen der AFG. Sie haben zwar unterschiedlich gearbeitet, stemmten sich aber insgesamt befriedigend gegen die stark negativen Marktkräfte. Die seit über einem Jahr laufenden Programme zur Anpassung der Strukturen und Ressourcen werden zu einem weltweiten Personalabbau von 10% der Belegschaft und zu nachhaltigen jährlichen Kosteneinsparungen von CHF 150 Mio. führen. Obwohl das zweite Halbjahr traditionell stärker ist als das erste, rechnet die AFG nicht damit, den Rückstand aus dem ersten Halbjahr noch aufholen zu können und kündigt an, dass mit einer Dividendenzahlung für das laufende Geschäftsjahr nicht zu rechnen sei.
Während im für die AFG relevanten Wohnbau die Nachfrage in der Schweiz seit Beginn dieses Jahres stagniert hat und im zweiten Heimmarkt Deutschland produktbezogen teilweise rückläufig war, brach in den osteuropäischen Märkten die Investitionsbereitschaft flächendeckend ein. Insbesondere Russland, Polen und die Slowakei als wichtigste Absatzmärkte der AFG in Osteuropa sind innerhalb kurzer Zeit in eine tiefe Rezession abgerutscht. Dies führte zu einem Rückgang der Nachfrage und zu einer weiteren Verschärfung des Preiskampfes mit den entsprechenden Margenminderungen, die teilweise deutliche Spuren bei den Umsätzen und Erträgen der bauorientierten Divisionen Heiztechnik und Sanitär, Küchen und Kühlen sowie Fenster und Türen hinterliessen. Dramatisch war der Nachfragerückgang in den Absatzmärkten der beiden Technologiedivisionen Stahltechnik und Oberflächentechnologie. Die zu rund 80% (Stahltechnik) bzw. 98% (Oberflächentechnologie) exportabhängigen Divisionen litten massiv unter den teilweise zusammenbrechenden Märkten der Automobil- und Druckmaschinenindustrie. Sie konnten ihre Strukturen und Ressourcen nicht so schnell anpassen wie die Nachfrage nachliess, was sich entsprechend auf die Ertragslage dieser Divisionen auswirkte. Die Stärke des Schweizer Frankens gegenüber allen für die AFG relevanten Währungen wirkte sich auf die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere der stark exportorientierten Geschäftsbereiche, zusätzlich belastend aus. Demgegenüber hatten die sinkenden Rohstoffpreise, die durch die Zentralisierung des strategischen Einkaufs verminderten Beschaffungskosten und die einsetzenden Einsparungen durch die punktuelle Einführung von Kurzarbeit sowie die Reduktion des Personalbestandes einen günstigen Einfluss auf die Aufwandseite. Rund die Hälfte des anvisierten weltweiten Personalabbaus um 10% des Gesamtbestandes ist sozialverträglich bereits erfolgt.
Deutliche Stärkung der Bilanz
Das Gesamtergebnis des Konzerns wurde durch die praktisch vollständige Abschreibung des Goodwills der 2007 erworbenen britischen Aqualux belastet. Diese Massnahme ist Teil eines Massnahmenpakets zur Bereinigung und Stärkung der Bilanz. Durch die im Frühjahr 2009 durchgeführte Kapitalerhöhung flossen dem Unternehmen netto CHF 106.1 Mio. zu. Dadurch konnte im Jahresvergleich die Verschuldung von CHF 491.4 Mio. auf CHF 378.1 Mio. reduziert und gleichzeitig die Eigenkapitalquote trotz der Belastung durch die Aqualux-Wertberichtigung auf 43% verbessert werden. Gezielte Massnahmen führten trotz des grösstenteils saisonalen Verlaufs der Umsätze auch zu einer deutlichen Reduktion des Nettoumlaufvermögens bzw. zu einem positiven Cash Flow aus Geschäftstätigkeit von CHF 7.7 Mio. (Vorjahr -16.0 Mio.).
Stark unterschiedliche Entwicklung der Divisionen
Entsprechend ihrer Ausrichtung auf Exportmärkte entwickelten sich die einzelnen Divisionen stark unterschiedlich. Der Nettoumsatz der mit einem Umsatzanteil von 42.1% grössten Division Heiztechnik und Sanitär lag mit CHF 264.5 Mio. 17.3% unter Vorjahr (CHF 320.0 Mio.). Ohne die negativen Währungseffekte würde die Division noch 10.4% unter Vorjahr liegen. Die rezessive Marktentwicklung in Deutschland und die desolate Verfassung der Märkte in England und in Osteuropa belasteten den Umsatz der Division stark. Sowohl in der Heiztechnik wie im Bereich Sanitär lagen die Umsätze unter jenen des Vorjahres. Der EBITDA lag zwar mit CHF 26.7 Mio. relativ nahe am Vorjahresergebnis (CHF 31.2 Mio.), aber die Wertberichtigung auf dem Goodwill von Aqualux und die entsprechende Abschreibung von CHF 15.5 Mio. führten zu einem nur noch knapp positiven EBIT von CHF 1.9 Mio. (CHF 21.2 Mio.).
Der Nettoumsatz der Division Küchen und Kühlen lag mit CHF 120.1 Mio. (CHF 130.6 Mio.) 8.0% unter dem Wert des Vorjahres. Der EBITDA ging von CHF 6.1 Mio. im Vorjahr auf CHF 1.6 Mio. zurück, wobei im Vorjahr ein einmaliger Ertrag von CHF 3.8 Mio. das Ergebnis beeinflusst hatte. Der EBIT fiel auf CHF -2.9 Mio. (CHF 0.8 Mio.). Der Bereich Küchen litt vor allem im Objektgeschäft unter einer sehr aggressiven Preis- und Auftragssituation und unter der rückläufigen Nachfrage aus den Exportmärkten. Etwas besser präsentiert sich die Situation im Bereich Kühlen, der das erste Halbjahr nur leicht unter Vorjahr abschloss.
In einem schwierigen Umfeld lag der Nettoumsatz der Division Fenster und Türen mit CHF 157.9 Mio. lediglich 2.6% unter dem Vorjahresumsatz von CHF 162.1 Mio. Als einzige Division konnte sie mit CHF 15.0 Mio. den EBITDA gegenüber dem Vorjahr leicht steigern und weist mit CHF 8.4 Mio. auch einen gegenüber dem Vorjahr (CHF 9.0 Mio.) nahezu unveränderten EBIT aus. Im Bereich Fenster schloss die EgoKiefer das erste Halbjahr über dem Vorjahresresultat ab. Auf Slovaktual hatte die anhaltende Wirtschaftskrise und der grosse Konkurrenzdruck hingegen negative Auswirkungen. Der Bereich Türen bzw. RWD Schlatter lag mit seinem Umsatz knapp unter Vorjahr.
Der Nettoumsatz der Division Stahltechnik lag in einem von der Automobilkrise gezeichneten Markt 32.9% unter Vorjahr und erreichte CHF 60.3 Mio. Beide Bereiche, sowohl Rohre als auch Profile, verfehlten die Vorjahreszahlen deutlich. Die hohe Exportabhängigkeit dieser Division, die 80% ihrer Produkte ausserhalb der Schweiz absetzt, widerspiegelt sich in dieser Entwicklung. Sie führte zu einem drastischen Rückgang der Ertragszahlen. Der EBITDA fiel auf CHF -3.0 Mio. (CHF 13.3 Mio.) und der EBIT auf CHF -6.3 Mio. (CHF 10.2 Mio.) zurück. Neben den rückläufigen Volumen waren insbesondere die Lagerbestände, die per Ende 2008 mit einem wesentlich höheren Stahlpreis bewertet waren, als er im 1. Halbjahr zur Anwendung kam, für das schwache Ergebnis verantwortlich.
Der Nettoumsatz der Division Oberflächentechnologie, der rund zur Hälfte vom Druckbereich bestimmt wird, lag nach dem scharfen Einbruch der Aufträge des wichtigsten Auftraggebers mit CHF 25.8 Mio. 47.6% unter Vorjahr. Rund 98% der Umsatzleistung der Division werden ausserhalb der Schweiz erwirtschaftet. Trotz der sofort eingeleiteten, umfassenden Kostensenkungsmassnahmen fiel der EBITDA von CHF 8.6 Mio. im Vorjahr auf CHF -3.3 Mio. in der Berichtsperiode, der EBIT von CHF 4.2 Mio. auf CHF -7.9 Mio. Nur die Bereiche Walzen, Kolben, Textil und Nahrungsmittel verfügen über eine befriedigende Auftragslage. Sie konnten indessen den massiven Rückgang der anderen Geschäftsfelder nicht kompensieren.
Verhalten optimistischer Ausblick
Auch die AFG steht wie die meisten Industrieunternehmungen als Folge der Wirtschaftskrise vor den grössten Herausforderungen ihrer Geschichte. Sie geht zwar davon aus, dass die Technologiedivisionen die Talsohle erreicht haben und im Verlaufe des zweiten Halbjahres auf tiefem Niveau wieder Tritt fassen werden. Auch die Entwicklung der bauorientierten Divisionen dürfte sich im zweiten Halbjahr konsolidieren. Das Unternehmen rechnet aber nicht mit einer nachhaltigen Verbesserung der Nachfrage vor 2011. Nach Abschluss der laufenden Anpassung der Ressourcen und Strukturen werde die AFG zwar kleiner, aber agiler und fokussierter sein, führt Edgar Oehler in seinem Halbjahresbericht an die Aktionäre aus. Im Verbund mit den Massnahmen zur nachhaltigen Entlastung der Kostenseite um jährlich CHF 150 Mio. und zur Stärkung der Bilanz sei die AFG gut gerüstet, um auf der Ertragsseite Fortschritte zu machen und vom kommenden Wirtschaftsaufschwung zu profitieren. Mit Bezug auf das laufende Geschäftsjahr kündigt er jedoch an, dass nicht mit der Ausschüttung einer Dividende gerechnet werden könne.
Erweiterung der Konzernleitung
Der Verwaltungsrat der AFG hat Christoph Schönenberger (41), General Counsel und Leiter Corporate Services des Unternehmens, mit Wirkung ab 1. September 2009 zum Mitglied der Konzernleitung ernannt. Christoph Schönenberger ist für die zentralen Konzernfunktionen Recht, Personal und Kommunikation verantwortlich. Er ist in dieser Funktion seit dem 1. September 2007 für die AFG tätig.
Kennzahlen der AFG Arbonia-Forster-Group
Kontakte:
AFG Arbonia-Forster-Holding AG
Dr. Edgar Oehler | Felix Bodmer Chief Financial Officer Tel. +41 71 447 45 51 |
Diese Mitteilung und weitere Informationen zur AFG Arbonia-Forster-Holding AG finden Sie auch auf unserer Website www.afg.ch.
AFG Arbonia-Forster-Holding AG – international führender Bauausrüster
Die AFG Arbonia-Forster-Holding AG mit Sitz in Arbon, Schweiz, ist ein führender integrierter Bauausrüster. Das an der SIX Swiss Exchange kotierte Unternehmen ist in die fünf Divisionen Heiztechnik und Sanitär, Küchen und Kühlen, Fenster und Türen, Stahltechnik sowie Oberflächentechnologie gegliedert. Die Produktionsstätten befinden sich in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich, in den USA, in Tschechien, England und in der Slowakei.
Weltweit ist die AFG mit rund 50 eigenen Produktions- und Vertriebsgesellschaften sowie mit Vertretungen und Partnern in über 70 Ländern aktiv. Die Marken Kermi, Arbonia, Prolux, ASCO Swiss, Aqualux, Forster Küchen, Forster Kühlen, Piatti, Miele Die Küche, EgoKiefer, RWD Schlatter, Slovaktual, Forster Präzisionsstahlrohre, Forster Profilsysteme und STI | Hartchrom bilden das Rückgrat der AFG. Mit diesen Marken hat die AFG Arbonia-Forster-Holding AG in den Heimmärkten Schweiz und Deutschland führende Marktstellungen aufgebaut. Die Bearbeitung neuer Märkte in Osteuropa und Russland sowie im Nahen und Fernen Osten wird zügig vorangetrieben. Im Geschäftsjahr 2008 hat die AFG Arbonia-Forster-Holding AG mit rund 6100 Beschäftigten einen Umsatz von CHF 1571 Mio. und ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von CHF 86.6 Mio. erzielt.
Medienmitteilung auf afg.ch